Stempel statt Unterschriften in Japan

30. September 2019

In Deutschland setzen wir beim Abschluss eines Vertrages jeder Art immer unsere Unterschrift ans Ende. Machen die Japaner das auch so? Nicht ganz, denn sie verwenden keine Unterschrift von Hand, sondern einen Stempel. Dieser Stempel hat in Japan den gleichen Stellenwert wie eine Unterschrift in Deutschland. Aber nicht jeder Stempel kann für jeden Vertrag verwendet werden und um Fälschung vorzubeugen, muss man wichtige Stempel im Rathaus registrieren lassen. Im Folgenden werden wir uns die verschiedenen Stempelarten und ihre Einsatzgebiete ein wenig genauer anschauen.

実印 (jitsuin)

Der sogenannte „Jitsuin“ ist der wichtigste Stempel, den man in Japan haben kann. Er wird für den Kauf eines Hauses, Autos oder für die Aufnahme eines Kredits verwendet und muss beim Rathaus registriert werden. Nur mit der Registrierungsbescheinigung (印鑑証明書) des Rathauses ist dieser Stempel auch als Unterschrift gültig. Die Bescheinigung des Rathauses soll auch einer Fälschung vorbeugen. Wenn jetzt z. B. eine andere Person meinen „jitsuin“ nachmachen würde und damit versuchen würde ein Haus auf meinen Namen zu kaufen, so müsste dieser jemand auch die Bescheinigung vom Rathaus haben, die er aber nicht bekommen kann, da er auch meine Ausweisdokumente usw. haben müsste und sich im Rathaus als mich ausgeben müsste, um diese Bescheinigung zu bekommen. Das System ist also recht sicher. Hinzu kommt noch, dass die Stempel meist von Hand geschnitzt sind, sodass es nochmal schwieriger ist eine exakte Kopie eines Stempels anzufertigen.

Da der „jitsuin“ also nur für wirklich sehr wichtige Verträge verwendet wird und man eine zusätzliche Bescheinigung des Rathauses braucht, um ihn verwenden zu können, wird diese in der Regel nicht im alltäglichen Leben verwendet. Die meiste Zeit verbringt dieser Stempel zu Hause in der Schublade.

銀行印 (ginkōin)

Der „ginkōin“ ist ein Stempel, der nicht so wichtig wie der „jitsuin“ ist und deswegen auch nicht beim Rathaus registriert werden muss. Er wird für alle Angelegenheiten verwendet, die mit der Bank zu tun haben. Wenn man ein Bankkonto eröffnet, dann braucht man diesen Stempel zum Beispiel und auch beim Abheben am Schalter wird er gefordert. Egal was es auch ist, sofern es mit der Bank zu tun hat, wird der „ginkōin“ verwendet.

認印 (ninin)

Der „ninin“ ist der Stempel, der wohl am meisten verwendet wird in Japan. Auch er muss nicht im Rathaus registriert werden. Diesen Stempel verwendet man für alle Art von Verträgen, die im täglichen Leben so anfallen. Wenn man z. B. beim Einzug in eine neue Wohnung einen Vertrag mit einem Stromanbieter abschließt oder sich für irgendetwas anmeldet, dann gebraucht man den „ninin“. Er fungiert also als Unterschrift für den Alltag und deswegen sollte man diesen auch immer mithaben, wenn man sich irgendwo anmelden möchte oder die Möglichkeit eines Vertragsabschlusses besteht. Wichtige Verträge kann man mit diesem Stempel also nicht abschließen und auch Bankangelegenheiten können mit dieser Art von Stempel nicht erledigt werden.

シャチハタ印 (shachihatain)

Der „shachihatain“ ist ein Stempel, den man sich nicht unbedingt zulegen muss. Er wird in der Regel verwendet, um die Post anzunehmen. In Firmen ist es üblich, dass ein solcher Stempel verwendet wird, aber wenn man bei sich zu Hause die Post entgegennimmt, dann kann man auch ganz normal mit der Hand unterschreiben. Die Annahme der Post ist im Grunde auch die einzige Situation, bei der man mit der Hand unterschreibt in Japan. Findet man einen Stempel bei der Postannahme jedoch cooler, dann kann man sich diesen „shachihatain“ natürlich auch anfertigen lassen.

Wo kann man sich einen Stempel machen lassen?

Im Grunde kann sich jeder, auch wir Nichtjapaner, einen Stempel anfertigen lassen. Teilweise werden diese Stempel sogar in 100 Yen Shops verkauft. Möchte man einen Stempel haben, den man nicht so leicht nachmachen kann und der ein wenig stylischer aussieht, dann kann man dies entweder in Geschäften machen, die sich auf Stempel spezialisiert haben oder man kann sich im Internet einen designen und diesen dann auch dort bestellen. Viele verschiedene Seiten in Japan bieten diesen Service an. Generell gilt, dass richtig gute Stempel schon mal etwas teurer sind und bei dem „jitsuin“ sollte man auch nicht unbedingt sparen, aber was die anderen Stempel betrifft, ist es nicht unbedingt notwendig einen richtig teuren auszuwählen. Eine Seite, die z. B. solche Stempel anbietet, wäre: Inkans

Man kann aber jede beliebige Seite nehmen, die Stempel anbietet. Die Seiten sind leider meist nur auf Japanisch, weshalb es ohne Japanischkenntnisse ein wenig schwierig werden könnte und die meisten Seiten liefern auch nur innerhalb Japans.

Das ist so weit alles, was man zu japanischen Stempeln wissen sollte. Falls du also vorhaben solltest nach Japan auszuwandern, dann würde ich dir auf jeden Fall empfehlen darüber nachzudenken einen Stempel machen zu lassen. Vor allem der „ginkōin“ wird von den meisten Banken gefordert und auch sonst macht es vieles einfacher mit einem Stempel in Japan. Wenn du nur für ein Auslandsjahr in Japan bist, dann brauchst du aber nicht unbedingt extra einen Stempel kaufen.